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Das Rotvieh-Projekt

   
  Einleitung | Ziele | Verlauf | Aktueller Stand | Gastronomen

   
 

Einleitung

   
 


Das Harzer Rote Höhenvieh ist die älteste Rinderrasse des Harzes, sie diente sowohl als Milch- und Fleischlieferant als auch als Zugtier (sog "Dreinutzungsrind").

Bis ins letzte Jahrhundert war das Tier im Harz sehr verbreitet. Allerdings oft in wenigen Einzeltieren pro Familie, die dann aber morgends aus jedem Haus(-stall)von einem Dorfgemeinschafthirten "abgeholt" und auf die Gemeinschaftsweiden (oft Waldweiden) getrieben wurden, um abends wieder heimgebracht zu werden.
Es gibt sogar einen schönen alten Film (in Neuauflage beim Rotviehverein in Wildemann als Video erhältlich), wo diese "gute alte Zeit" festgehalten wurde.

Die Bestände des Harzer Roten Höhenviehs haben dann durch Einführung des ersten reinen Milchrindes (Anglerrind) einen drastischen Einbruch erfahren und gelten heute als vom Aussterben besonders bedrohte Rasse: im Harz sind sie auf wenige Hundert Tiere beschränkt.

Die Rasse wäre im Harz ausgestorben, hätten nicht einige Wenige die Tiere aus Liebhaberei weiterhin gehalten (so z.B. Wolfgang Beuse aus Wildemann, der als "Urvater des Harzer Roten Höhenviehs" gilt. Von dessen einzigem Milchviehbetrieb mit Rotem Höhenvieh stammen die meisten nun im Harz anzutreffenden Tiere.
Er war so auch Gründer des mittlerweile 250 Mitglieder starken ersten "Verein zur Erhaltung der Harzkuh und der Harzziege" in Wildemann).

 

Der typische Körperbau; Rotvieh von der Seite (Wehmeyer, Düna)

Weideaustrieb Wildemann 2002

Weideaustrieb Wildemann 2002

 

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Ziele

   
 


Durch Kontakte zu Rotviehzüchtern und Kenntnisse von Projekten aus anderen Biosphärenreservaten kam es vor vier Jahren rasch zur Gründung eines "Arbeitskreis Harzer Rotes Höhenvieh", dem neben unserer Gesellschaft die beiden Rotviehvereine des Harzes angehören.
Ziel war es, die Rotviehbestände im Harz auszuweiten und damit diesem wunderschönen rotbraunen stämmigen Tier wieder eine Überlebensperspektive zu geben.
Zudem wird das Rind zur Offenhaltung der Harzer Bergwiesen benötigt. Die bisher in Handarbeit durchgeführte Bergwiesenmahd kann nämlich vielerorts von den Gemeinden nicht mehr bezahlt werden.

Harzer Bergwiesen, Trockenrasen der Karstlandschaft Südharz und das Harzer Rote Höhenvieh sind zudem starke Tourismusmagneten.

Das Hauptproblem für die Ausweitung der niedrigen Bestände des Harzer Roten Höhenviehs war, dass diese älteste Rasse über die konventionellen Vermarktungswege nicht gewinnbringend verkauft werden kann.

Das Harzer Rote Höhenvieh liefert im Vergleich mit den heutigen Leistungsrindern weder viel Milch- noch viel Fleisch.
Hingegen war klar, dass die Qualität von Milch und Fleisch dieser Rasse hervorragend ist und ein erster Vermarktungsgewinn dann zu erzielen ist, wenn die Tiere direkt vom Züchtern an den Endverbraucher vermarketet werden, also kein Zwischenhändler den Gewinn für den Züchter reduziert.

 

Weideaustrieb Wildemann 2002

Weideaustrieb Wildemann 2002

 

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Verlauf

   
 


Nach Modellprojekten anderer Biosphärenreservate erschien dann auch im Harz die Gastronomie als der beste Direktabnehmer, da sie in der Lage ist, die hohe Qualität des Produktes auch für sich zu nutzen und damit sowie mit dem Harzer Roten Höhenvieh als regionalem Produkt zu werben.
Zudem fehlt der Harzer Gastronomie aktuell eine "regionale Identität" mit der sie die Touristen locken könnte. Mit dem Fleisch des Harzer Roten Höhenviehs als der "Urrasse" des Harzes wäre auch eine Wiederbelebung alter und neuer kulinarischer Gerichte möglich, die dann das Prädikat "typisch Harz" tragen könnten.
Das Projekt wäre also ein sehr gutes Modell für Synergie-Effekte zwischen Tourismus- Gastronomie-Naturschutz (derart: es kommen wieder mehr Touristen in die Harzgastronomie, weil sie alte und neue harztypische Gerichte aus einem ureigenen Harzer Urprodukt, dem Harzer Roten Höhenvieh anbietet und die verstärkte Nachfrage lässt die Zücher die Rotvieh-Bestände ausweiten, brachgefallene Bergwiesen werden wieder beweidet, es gibt mehr blühende Bergwiesen, mehr Rotes Höhenvieh und auch deshalb kommen mehr Touristen...)

Von der Projektidee bis heute hat sich dann viel getan - trotz BSE und Maul- und Klauenseuche wurden viele Kontakte zu Harzer Gastronomen geknüpft, fand eine Schulung der Köche zur Verarbeitung ganzer Rinder zu kreativen neuen und alten Harzer Gerichten statt, wurden Logo und Informationsfalter entwickelt, Presse und Prominenz zum Probieren neuer Gerichte und Wurstprodukte geladen.

 

Auf der Weide bei Wildemann im Harz

Im Stall vom Hof Beuse in Wildemann im Harz

 

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Aktueller Stand

   
 


Die überraschend gute öffentliche Resonanz zum Projekt führte dazu, dass sowohl mehr Gastronomiebetrieb als auch mehr Züchter am Projekt teilnahmen.
So sind nun bei den zweiten Aktionstagen 6 Betriebe, die Harzweit Rotviehgerichte anbieten, während bei den ersten Aktionstagenm im März 2002 nur 4 Betriebe teilnahmen.
Die Gastronomie im Westharz war nach der ersten Aktionswoche derart begeistert von der Qualität des Fleisches, dass sie freiwillig einen höheren Peis an die Züchter zahlte und eine starke Nachfrage aufbaute.
Dies führte dazu, dass ein Betrieb (Wehmeyer in Düna) vom Neben- in den Vollerwerb mit Rotem Höhenvieh wechselte und der Sohn sich nun eine neue Existenz mit diesem Betrieb aufbaut.
Dennoch steht das Projekt erst am Anfang, nach erst einem Jahr Werbung und Erprobung.

Ziele für die nächste Zukunft: Finden von weiteren Landwirten, die Rotviehhaltung im Voll- oder Nebenerwerb betreiben, Verbesserung der Aktionswochen als "gemeinsamen Wochen der Gastronomie rund um das Harzer Rote Höhenvieh", Klärung der Vermarktungswege Züchter-Schlachter-Gastronomie.

 

Züchter Wehmeyer in Düna

Gemeinsames "Experimental-Kochen"

     
       
 

Teilnehmende Gastronomen

   
 
  • Landhaus Kemper, Clausthal-Zellerfeld: 05323-1774

  • Hotel Habichtstein, Alexisbad: 039484-780

  • Tilman-Riemenschneider-Haus, Osterode: 05522-74676

  • Hotel Romantischer Winkel, Bad Sachsa: 05523-3040

  • Hotel Weißer Hirsch, Werningerode: 03943-602020

  • Polsterberger Hubhaus, Clausthal-Zellerfeld: 05323-5581

  • Hotel zum Brockenbäcker, Tanne/Harz: 039457-9760

  • Ringer Zechenhaus, Clausthal-Zellerfeld: 05323-81673

  • Zum Löwen, Oberröblingen/Sangerhsn.: 03464-54500
 

Wurst und Schinken vom Höhenvieh

     
       
 

© Text und Fotos: Stephan Röhl / GFB e.V.  2003 / Kontakt