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Grundsatz

   
 


Ein intakter Naturraum bildet die Grundlage einer nachhaltigen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Südharz-Region.

Die Karstlandschaft Südharz ist ein in Europa einmaliger Naturraum. Sie erstreckt sich über die Länder Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt.

Aufgrund einer besonderen geologischen Situation - dem in ganz Europa nur hier großräumig und oberflächennah anstehenden Gips - ist hier im Laufe von mehreren zehntausend Jahren eine Landschaft mit extremer Verkarstungsintensität und -vielfalt entstanden, die sonst nirgends mehr existiert.

Das Neben-einander unterschiedlichster Lebensräume auf kleinster Fläche und das Überlappen zweier Großklimazonen hat eine außer-gewöhnliche Vielfalt an Tieren und Pflanzen hervorgebracht.

Die besondere geologische Situation macht die Landschaft für den Tourismus außerordentlich attraktiv, erfordert jedoch eine sensible ökonomische Nutzung der Landschaft.

Als Grenzertragsstandorte für Land- und Forstwirtschaft wurde hier überwiegend eine extensive Nutzung durch den Menschen betrieben.

Diese begrenzte Nutzung kommt auch der Reinhaltung des Trinkwassers zugute, da relativ geringfügige Schadstoffeinträge großräumige Trinkwasserbelastungen hervorrufen können.

Um diesen Naturraum dauerhaft als Lebens- und Arbeitsraum zum Wohle der jetzt lebenden und zukünftigen Generationen zu sichern und zu entwickeln, muß die Entwicklung dieser Region den Prinzipien der "sustainable development" gemäß der Agenda 21 verpflichtet sein.

Deshalb hält die GFB die Einrichtung eines länderübergreifenden Biosphärenreservates "Karstlandschaft Südharz" für unverzichtbar.

  Questenberg

Die Ortschaft Questenberg / Sachsen-Anhalt

       
 

Flächen

   
 
Die GFB fordert schon jetzt eine Einbindung der Flächen des Suchraums für ein Biosphärenreservat (in der aktuell vorgesehen Begrenzung) in die Landes- und Regionalplanung (LROP, RROP). Damit sollen bereits jetzt Weichen für eine langfistige Entwicklung der Region gestellt werden.
Zur Sicherung der künftigen Kern- und Pflegezonen sollen folgende Gebiete unverzüglich als NSG ausgewiesen bzw. ausgeweitet werden:

für Niedersachsen:
Gesamtbereich Lichtenstein / Hellenberg / Bauernberg, Bloßenberg / Kreuzstiege, Hannersberg / Hopfenkuhle, Gesamtgebiete bei Nüxei (zwischen Bhf Tettenborn bis Grenze nach Thüringen im Mackenröder Wald, Weingartenlöcher), Pfaffenholz, Röseberg

für Thüringen:
Mackenröder Wald, Gebiete bei Klettenberg und Obersachswerfen (Hunnengrube, Katzenschwanz), Kelle, Kammerforst, Himmelberg-Bromberg-Mühlberg in seiner Gesamtheit, Hörninger Sattelköpfe, Kohnstein - Knochental, Hasenwinkel, gesamte Rüdigsdorfer Schweiz einschließlich Winkelberg und Harzfelder Holz, Pfaffenköpfe, Alter Stolberg in seiner Gesamtheit (incl. Urbacher Holz)

Die wesentlichen Gebiete in Sachsen-Anhalt und am Kyffhäuser sind bereits hinreichend geschützt.

Die GFB lehnt die Erteilung neuer Abbaugenehmigungen im Bereich des geplanten Biosphärenreservat ab und fordern für den Landkreis Nordhausen die Einhaltung der 1994 vom Kreistag Nordhausen verabschiedeten Rohstoffabbaukonzeption.

   
 

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Initiativen und Konzepte

   
 


Die GFB stellt ihre Vorstellungen zur weiteren Entwicklung des Südharzes zur breiten öffentlichen Diskussion.
Sie unterstützt die Kommunen und Verbände im Südharz bei der Aufstellung von Entwicklungsplänen bei Kooperationen, Initiativen und Modellprojekten, die zum Ziel haben, zukunftsfähige Entwicklung der Region voranzutreiben.


Landwirtschaft
Als Grundlage für die Erhaltung der Kulturlandschaft und der Erwerbsgrundlage dient die Entwicklung langfristig tragfähiger Nutzungskonzepte (Schutz durch Nutzung). Diese Konzepte sollten folgende Einzelmaßnahmen enthalten:

  • Förderung von landschafts- und bodenschonender Nutzung;

  • Verbesserung der Absatzmöglichkeiten durch Direktvermarktung (z.B. Bauernmärkte, Landhofläden), Einbindung in lokale Gastronomie;

  • Einführung eines Qualitäts- / Gütesiegel für umweltgerecht erzeugte Produkte aus der Region nach strengen Kriterien;

  • Förderung von Produktvielfalt und regionaltypischen Erzeugnissen zur Stärkung der Konkurrenzfähigkeit;

  • Einbindung der Region in die Landwirtschaftsförderprogramme der EU;

  • Existenzsicherung durch neue Erwerbsmöglichkeiten im Tourismusbereich und in der Landschaftspflege;

  • Förderung heimischer Haustierrassen. Forstwirtschaft Die GFB stellt fest, daß die Forstwirtschaft im Planungsgebiet schon heute weitgehend nach den Kriterien des naturnahen Waldbaus (einheimische Arten, hoher Totholzanteil, Kahlschlagverzicht u.a.) betrieben wird. Der Absatz heimischer Hölzer [aus naturnahem Waldbau] in Bau und Gewerbe soll u.a. durch ein Qualitäts- / Gütesiegel für umweltgerecht erzeugte Produkte aus der Region gefördert werden. Desweiteren soll die Einrichtung von Naturwaldparzellen (Einbindung in bundesweites Forschungsprogramm) angestrebt werden.

Tourismus
Die GFB stellt fest, daß die Attraktivität der Landschaft als Grundlage für eine sanfte Tourismusentwicklung erhalten bleiben muß. Bisher ist das touristische Potential der Region bei weitem nicht ausgeschöpft und bietet damit die Chance zur Schaffung zahlreicher neuer Arbeitsplätze.
Dies kann erreicht werden durch:
  • Koordiniertes Marketing (Abstimmung der Konzepte, Programme und Angebote in der gesamten Region.).

  • Verbesserung der Touristischen Infrastruktur (Radwanderwege, etc.)

  • regionaltypische Gastronomie und Beherbergung. Handel und Gewerbe Die GFB sieht in der Entwicklung von Produktvielfalt und regionaltypischen Erzeugnissen eine Möglichkeit die Absatz- und Erwerbsmöglichkeiten zu steigern.

Als Instrument, dieses Ziel umzusetzen sollte ein Qualitäts- / Gütesiegel für umweltgerecht erzeugte Produkte aus der Region eingeführt werden. Die Nutzung der vorhandenen Förderinsturmente für Unternehmen, die umweltschonende Produktionsverfahren einsetzen (geschlossene Material- und Energiekreisläufe, Nutzung regenerativer Energiequellen, Rücknahme verbrauchter Produkte zur Wiederverwendung u.a.) sollte forciert werden.


Trinkwasser
Die gegebenen karsthydrologischen Bedingungen erfordern einen länderübergreifenden Trinkwasserschutz. Die vorhandenen Wasserressourcen sind zu sichern mit dem Ziel, im Bedarfsfall weitere potentielle regionale Kapazitäten für die Trinkwassergewinnung zu erschließen. Die Einzugsgebiete von Wieda und Zorge kommt dabei besondere Bedeutung zu.
Die Vorraussetzungen zur Ausweisung von Trinkwasserschutzgebieten sind durch die Gewährleistung der Aufnahme bzw. Fortführung eines karsthydrologischen Untersuchungsprogramms zu schaffen.
Die GFB hält die Ausweisung neuer Trinkwasserschutzgebiete für erforderlich, insbesondere im Pöhlder Becken, sowie im Einzugsgebiet und den Flußläufen der Flüsse Ichte, Uffe, Steina, Wieda, Zorge, Rhume- und Rhumequelle.


Verkehr
Zur Entwicklung eines umweltgerechten Verkehrssystems für die Bevölkerung, Tourismus und Gewerbe hält die GFB ein abgestimmtes länderübergreifendes Verkehrskonzept für erforderlich. Bestandteile eines solchen Konzeptes sollten sein:

  • Erhalt der Südharz-Bahnlinie: Zweispuriger Ausbau zwischen Ellrich und Nordhausen und Herstellung der Tragfähigkeit der Strecke für den Güterverkehr.

  • Einrichtung eines länderübergreifenden Nahverkehrsverbundes (einheitl. Tarifsystem, Optimierung der Vertaktung, Sondertarife für Sanften Tourismus).

  • Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe zur Verkürzung von Transportwegen.


Bausektor
Prinzipiell sollte der verstärkte Einsatz von Baumaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen (Holz, Stroh, Hanf...) sowie die Verwendung recycelter Baustoffe gefördert werden.
Die GFB setzt sich dafür ein, daß bei öffentlichen Ausschreibungen Anbieter von Baumaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen und von wiederverwendeten Baustoffen bevorzugt werden.

Anbieter von Naturgipsprodukten sind prinzipiell auszuschließen, da ausreichend Ersatzprodukte zur Verfügung stehen.
Auf die Neuentnahme nicht-nachwachsender Rohstoffe sollte im Interesse der Zukunftsfähigkeit der Region verzichtet werden.
Im Rahmen der Wirtschaftsfördermaßnahmen der Länder sollen nur noch solche Betriebe gefördert werden, die ressourcenschonend wirtschaften und möglichst auf nicht-erneuerbare Rohstoffe verzichten und die Substitution vorantreiben.
Der schonende Umgang mit Ressourcen kann unter anderem erreicht werden durch:

  • Steigerung der Effizienz des Materialeinsatzes.

  • Substitution / Einsparung von nicht erneuerbaren Ressourcen / Naturrohstoffen durch Baustoffrecycling, Einsatz von Sekundärrohstoffen usw.

  • Förderung neuer Bauweisen unter Verwendung nachwachsender Rohstoffe aus der Region (z. B. Holzrahmenbauweise).

  • Förderung von Unternehmen, die die Substitution von Gips und Anhydrit vorantreiben. Betriebe vor Ort sollen durch Werbung, Prämierung, etc. für innovative Bauweisen mit nachwachsenden Rohstoffen gefördert werden.
  Rudigsdorfer Schweiz

Landwirtschaft in der Rüdigsdorfer Schweiz

Schafbeweidung auf der Kreuzstiege

Schafe "pflegen" die Kulturlandschaft auf der Kreuzstiege, bei Osterode / Nds.

 

 

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© Text und Fotos: Stephan Röhl / GFB e.V.  2003 / Kontakt